100m Achtsamkeit.

DURCH FOTOGRAFIE ZUR INNEREN RUHE KOMMEN.

100m ist für gewöhnlich eine Längenangabe. Und Achtsamkeit ist als Begrifflichkeit heutzutage oft gehört und von ihrem Wesen her eine mentale Disziplin. Und wie, bitteschön, können wir nun durch Fotografie zur häufig erwünschten inneren Ruhe kommen?
Dieser Frage gehen wir hier nach und geben dir dazu unsere Antworten und drei Übungen. Dieser Text wird eher subjektiv und emotional sein, da es hier nicht um Fototechnik geht, sondern um den jeweils individuellen und mentalen Prozess der Achtsamkeit beim Fotografieren, der uns zur Ruhe führen kann.


Meditation

WAS IST EIN ACHTSAMES BILD?

Ist es ein Bild, das uns an japanische Tuschmalerei erinnert oder sind es die allseits bekannten Motive der steinernen Buddhas oder der meditierenden Yogis?
Ist es ein Bild, das wir von Menschen machen, die wir in bestimmten Situationen achtsam fotografieren? Oder ist es gar das Bild, welches gar nicht gemacht wird, da wir aus Achtsamkeit und Mitgefühl dem vielleicht leidenden Menschen gegenüber gar nicht den Auslöser drücken? Es geht gar nicht so sehr darum, was auf dem Bild zu sehen ist. Es geht vielmehr um die innere Haltung bei der Bilderstellung.
Und dies ist nicht das Ergebnis eines besonderen Talents. Es kann von jedem Willigen geübt und erlernt werden. Es ist eine Spielart des fotografischen Blicks. Dieser ist möglicherweise stärker ästhetisch motiviert. Aber natürlich ist auch bei der achtsamen Fotografie die Ästhetik der künstlerische Vermittler für die Bildbotschaft. Vielleicht ist die Resonanz, die wir einem Motiv gegenüber empfinden, ein Hinweis auf die Achtsamkeit dem Bild gegenüber. Und unser Wunsch dem Motiv nach der Aufnahme zu danken. So, wie wenn man etwas Wertvolles fand und es auch als solches empfand.

ACHTSAMKEIT IN DER FOTOGRAFIE

Achtsamkeit ist ein Akt der Aufmerksamkeit, eine respektvolle und liebevolle Zuwendung zu unserem Motiv. Es ist eine Einstellungssache, eine Ausrichtung der Wahrnehmung auf das Wesentliche. Achtsamkeit in der Fotografie ist ein innerer Prozess, den wir dem fertigen Bild nicht ansehen müssen, sehr wohl aber bei der Aufnahme erspüren können. So kann ein und dasselbe Bild das Ergebnis eines Schnappschusses sein oder das einer hingebungsvollen Bildbetrachtung, die letztendlich zum Drücken des Kameraauslösers geführt hat.
Es ist diese innere Gegenwärtigkeit, die eine 1/60s Verschlusszeit in ihrer Wahrnehmung zur bewussten Achtsamkeit dehnen kann.


Blaue gondeln

DER ACHTSAMKEIT FOLGT DIE DANKBARKEIT

Achtsamkeit kann man auch beschreiben als Aufmerksamkeit in Dankbarkeit. Und Dankbarkeit ist ein sehr erfüllendes Gefühl, das wir dabei entdecken und entwickeln können. Nämlich die Dankbarkeit dem einladenden Motiv gegenüber. Und Dankbarkeit für die Möglichkeit unsere Umwelt künstlerisch erfassen und fotografisch interpretieren zu können. Für uns ganz alleine. Und für die Betrachter unserer Fotografien.


Gewolbegang

DAS HIER UND JETZT UND DIE INNERE RUHE

Stellt euch vor ihr seid mit der Kamera unterwegs und fotografiert im Burst-Modus ein Bild nach dem nächsten. 5 bis 12 Bilder schaffen heutige Hochleistungskameras pro Sekunde. Ihr werdet euch dabei eher wie ein Jäger auf extrem schnelle Reaktionen einstellen und konzentriert und angespannt euer Motiv verfolgen. Diese Art der Fotografie, wie Sie beispielsweise in der Sportfotografie betrieben wird, bringt euch in den Zustand höchster Fokussierung, bei der es stark um das apparative Aufnehmen eines Bildes geht.


Sunset photographer

Es gibt auch eine andere Art von höchster Konzentration auf ein Motiv. Dies ist angedeutet in dem englischen Ausdruck „to capture a picture“. Die Übersetzung bedeutet "ein Bild aufnehmen, es erfassen". Hierin liegt ein Hinweis, der über das fotomechanische Aufnehmen hinaus geht und auf die innere Aufnahme eines Bildes verweist. Auch hier ist die Konzentration auf das Motiv Voraussetzung für ein gelungenes Bild. Es geht beim Erfassen, um die Hinwendung zum Bild, zu seiner Aussage über das Formale hinaus, sozusagen um dessen Essenz.
Genau dies ist der Augenblick, indem uns Fotografie die Momente der erfüllenden Achtsamkeit schenken kann. Und diese Achtsamkeit wird begleitet durch das Gefühl der inneren Ruhe!


Rocks

ÜBUNG 1 – DURCH ACHTSAME FOTOGRAFIE ZUR INNEREN RUHE KOMMEN

Nun kommen die 100m ins Spiel. Nimm dir eine Strecke von 100m vor, die du zu Fuß, nur von deiner Kamera begleitet, zurücklegen wirst. Mache dir keine Zeitvorgabe für diese Tour. Der Weltrekord für die 100m-Distanz liegt bei 9,58 Sekunden. Lass dir also Zeit.
Es kann ruhig eine dir bekannte Strecke sein. Geh diesen Weg nun nur für dich alleine. Lasse dich dabei von einem Motiv ansprechen. Geh in freundliche Resonanz mit dem Motiv - und atme ruhig!
Ein ruhiger Atem hilft die Kamera ruhig zu halten. Und ein ruhiger Atem hilft den Bildausschnitt exakt zu bestimmen. Sieh das fertige Bild vor deinem inneren Auge, bevor du die Kamera hebst. Dann atme tief ein und setze die Kamera an dein Auge. Und nun halte den Atem an. Im Moment der größten inneren Stille drücke sanft den Auslöser und banne das Bild auf deinen Kamerachip. Lasse dann den Atem wieder fließen und senke in Dankbarkeit die Kamera.


Blick in die pfütze

ÜBUNG 2 – DIE KOSTBARKEIT DES MATERIELLEN ERFAHREN

Du kannst diese Erfahrung der Ruhe noch um die Erfahrung der Kostbarkeit bereichern. Stelle dir einen Moment vor wir wären noch in der Zeit, als man analog fotografiert hat und ein Film 36 Bilder hatte. Wie wertvoll war uns da jedes einzelne Negativ.
Diesen mentalen Zustand der Wertschätzung gegenüber unseren technischen Möglichkeiten kannst du ganz leicht wieder erfahren, indem du die 100m-Tour mit einer fast vollen Speicherkarte begehst. Schnell wirst du dich stärker konzentrieren, um die kostbaren Bits auf der SD-Karte nicht für „unnötige“ Bilder aufzubrauchen. Du wirst überlegter handeln und mehr die bildhaften Glanzstücke festhalten.

ÜBUNG 3 – ZEIT HABEN FÜR DAS WESENTLICHE

Eine Variante dieser Übung ist es, die Foto Tour mit einem fast leeren Akku anzutreten. Hier kommt nun noch das Element Zeit hinzu. Du wirst entschiedener fotografieren, da die fehlende Stromversorgung deine Foto Tour schlagartig beenden kann. Dabei wirst du möglicherweise feststellen, dass eiliges Knipsen nicht die Lösung ist. Es geht hier vielmehr um die erlebte Erkenntnis, dass in Gelassenheit und Konzentration erstellte Fotos dir wertvoller erscheinen können, als hastige und ähnliche Varianten des gleichen Motivs.


Glass ball in the hand

Mit der bewussten Hinwendung zur achtsamen Fotografie kannst du deine persönliche Motivwelt entdecken. Losgelöst von bekannten Bildwelten und dem fotografischen Mainstream. Hin zur Entdeckung deiner ganz eigenen Bildersprache. So kann Alltägliches einen großen Wert für dich gewinnen. Und Herausragendes kann eigenständig interpretiert werden.
Es kann dir eine große innere Freude werden die äußere Welt mit den Augen der Achtsamkeit zu sehen und dabei Schritt für Schritt und Foto für Foto zur inneren Ruhe zu finden.

Viel Freude dabei, mit achtsamen und schönen Bildern, ganz für dich, in deiner Wohnung!

Autor: Christian Frank, www.christianfrank.photography

Viel Freude dabei, mit achtsamen und schönen Bildern, ganz für dich, in deiner Wohnung!

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