6 Tipps, wie du in schwarz-weiß die besseren Bilder machst

Na klar... Aber warum eigentlich schwarz-weiß fotografieren? Ist das nicht längst überholt? Oder ein Spleen von Künstlern mit Kamera? Warum soll ich denn auf Farben verzichten, wo die doch alles so schön bunt und emotional machen?

Gewichtige Fragen, die alle schon ein wenig eine Antwort in sich tragen. Wir zeigen dir hier, wie du mit deinen Schwarz-Weiß-Fotos den Hauch der fotografischen Klassik erzeugst. Wie du dein fotografisches Repertoire erweiterst. Und wie du zum Wesentlichen deines Motivs vordringen kannst.

6 Gründe für schwarz-weiß

Grau statt grässlich: wenn Farben stören

Zugegeben, bei dem hier gezeigten Oldtimer-Foto sind die Farben nicht wirklich grässlich. Aber was sticht euch bei dem farbigen Foto ins Auge? Genau — die beiden roten Autos. Nicht so sehr die Form der Scheinwerfer. Oder der Rhythmus der Fahrzeugaufstellung. Oder die geöffneten Motorhauben. Es ist vor allem die Farbe Rot! Und nun lasst eure Augen nochmal das obere Foto betrachten... Obwohl das schwarz-weiße Foto bei weitem nicht so eine große Schärfentiefe hat wie das farbige Foto, zeigt es uns einen viel größeren Formenschatz. Wir erleben eine stärkere Dynamik der Bildkomposition durch die hohen Kontrastwerte. Und die Scheinwerfer lassen uns ihre gläserne Materialität spüren und das Chrom funkelt! Wir stellen fest — weniger ist mehr!


Detaildarstellung in seiner strukturellen Essenz

Die Fotografie in schwarz-weiß ist nicht ein Akt der digitalen Dunkelkammer, also der nachträglichen Bildbearbeitung am PC oder per App am Smartphone oder Tablet. Es ist eine visuelle Ausrichtung auf die Struktur, auf das Wesentliche im Motiv.

Das Schwarz-Weiß-Foto der Mittelstreifen einer Fahrbahn würde uns wohl in Farbe eher wie ein misslungener Schnappschuss vorkommen. Als Schwarz-Weiß-Foto allerdings zieht es uns in seinen Bann.

Wir nehmen die Details deutlich wahr. Wir spüren die Rhythmik der Bildkomposition in Form der drei Streifen. Und wir finden wahrscheinlich auch die Oberflächenstruktur des Asphalts ästhetisch interessant. Es ist eine kurze Reise zur strukturellen Essenz dieser alltäglichen Szene, die wir permanent vor Augen haben, so aber eher selten wahrgenommen haben.


Darstellung des Wesentlichen durch grafische Bildwirkung

Das Foto-Grafische, also das zeichnerische in einem Foto, das strichartige, lineare und formgebende Element reizt unseren Sehsinn und unser ästhetisches Empfinden in angenehmer Art und Weise. Unser Gehirn schätzt es Inhalte deutlich erfassen zu können. Diese biologische Ökonomie lässt uns Gefallen finden an rasch zu erfassenden Bilderinhalten. So wichtig Farbe für die emotionale Färbung und Interpretation unserer Umwelt auch ist, wir schätzen Struktur, Ordnung und Orientierung doch sehr.

Diese Architekturaufnahme eines gotischen Tragwerks ist ästhetisch ansprechend. Und es lässt uns auch die komplexe und vielgestaltigen Steinbögen gut und rasch erfassen und verleiht dem Motiv Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Dieses Vermögen der eindrücklichen grafischen Wirkung ist ein großer Schatz und macht einen beträchtlichen Reiz der Schwarz-Weiß-Fotografie aus.


Bei dem untenstehenden Foto sieht man die Wichtigkeit der Reduktion auf die unbunte Welt sehr schön. Es ist ein Foto, in dem grafische Elemente, nämlich die Balkongeländer im rechten Teil des Bildes, und andererseits flächige, kontrastreiche Elemente beim Porträt, das Wesentliche des Motivs herausarbeiten. Die führenden Linien verstärken die Räumlichkeit des Motivs. Der Blick des markanten Männerporträts steht unangefochten im Blickfeld des Betrachters. Stell dir vor, im Hintergrund würde auf einem Balkon ein violettfarbener Blumentopf stehen... Das Bild wäre in seiner Fokussierung und Blickführung zerstört.


Fotografische Dramatik durch schwarz-weiße Kontrastwirkung

Wenn wir uns den Begriff der Dramatik in der Literatur betrachten, so handelt es sich dabei um eine literarische Gattung, bei der die Texte in Dialogform verfasst sind und in der Regel für eine Bühnenaufführung geschrieben sind. In diesem Sinne lässt sich auch die Fotografie betrachten. Ein Erzähler fehlt, wie in der literarischen Dramatik auch. Es ist das Bild selbst, das uns seine Geschichte erzählt. Neudeutsch nennen wir das Storytelling. Und einzelne Elemente treten zueinander in Dialog. Je spannender diese Dialoge sind, desto erregender, begeisternder und mitreißender wird das Foto wahrgenommen. Dialogpartner sind dabei Gegensatzpaare, wie hell - dunkel, schwarz - weiß, hart - weich, orthogonal - diagonal...

Neben den formalen Aspekten des Bildinhaltes sind es vor allem die schwarz-weißen Kontraste, die unser Auge für sich einnehmen. Eine oberflächliche emotionale Wahrnehmung über Farben findet nicht statt. Wir sehen das Bühnenstück quasi mit ungeschminkten Schauspielern.

In diesem Foto ist es die Pyramide des Louvre vor den klassizistischen Galerietrakten. Für den dramatischen Himmel haben die düsteren Gewitterwolken gesorgt.


WYSWYG — What you see is what you get

An dieser Stelle ein Wort über das Erkennen solcher dramatischen Stimmungen in schwarz-weiß und zum Fotografieren mit Grautönen allgemein. Einige Fotografen vertreten die Ansicht, dass die Basis einer guten monochromen Aufnahme ein gutes Farbfoto ist. Doch wir sehen anders in schwarz-weiß als in Farbe. Und manches sehen wir durch eine Kamera im Farbmodus auch gar nicht. Wir sprechen hier beispielsweise von dem optischen Erlebnis, wie Farbfilter auf ein schwarz-weißes Foto einwirken. Ein kräftig blauer Himmel wird tiefschwarz, ein schüchternes Rosé verdichtet sich zum tiefen und satten Grau. Oder wie eine Körnung, welches das frühere Silber im Film imitiert, den Charakter einer Aufnahme verändern kann. Daher unser Ratschlag beim Fotografieren den Schwarz-Weiß-Modus einzuschalten. Beim Smartphone ist dies ganz einfach und ihr könnt meist schon bestimmte Filter vorwählen. Hier gilt der alte Satz aus dem Desktop-Publishing: WYSWYG — What you see is what you get! Auch bei modernen Kameras mit Wechselobjektiven ist es oft möglich in einen Kreativmodus zu schalten und durch den Sucher schon das schwarz-weiße Bild zu sehen. Ihr werdet merken, dass ihr geeignete Motive so viel zielsicherer identifizieren könnt.

Der grafische Reiz eines Motivs wird euch schneller erfassen, da ihr weniger von der Farbe abgelenkt seid, wie es dieses beinahe schon abstrakte Bild eines Steges in Schweden zeigt:


Mit der vergangenen Zeit flirten

Die meisten von uns sind einem Flirt nicht abgeneigt. Doch wie flirtet man mit der Zeit? Besonders mit jener, die schon hinter uns liegt? Wie nähert man sich ihr, wie kommt man mit ihr ins Gespräch und wie bildet man sie ab?

Hier hilft uns die Schwarz-Weiß-Fotografie schon alleine durch ihre zeitliche Herkunft, ihre technische und künstlerische Historie. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Erfindungen gemacht, die eine heutige mobile Fotografie begründen. Aus dem Jahre 1826 stammt beispielsweise die älteste erhaltene Fotografie, von J. N. Nietfeld: „Blick aus dem Arbeitszimmer“, auf einer asphaltbeschichteten Zinnplatte.

Schwarz-weiß, körnig, unscharf, vignettiert und auf angegriffenem Papier — das sind die Erkennungszeichen einer historischen Aufnahme. Wir deuten diese Zeichen auch heute noch als die Arbeit des Zahns der Zeit und die Anmutung der klassischen Fotografie.

Das hier gezeigte Foto zeigt diese Attribute und verleiht diesem aktuellen Motiv vom Lago di Garda zusätzlich zur historischen Architektur den Hauch der historischen Vergangenheit.


Zurück in die Gegenwart und viel Spaß euch in einer farbenfrohen Welt. Und viel fotografische Freude in der Reduktion eurer Fotografien auf schwarz-weiß, die euch einen großen inhaltlichen Zugewinn bescheren kann!

Die besonders gelungenen Bilder dürfen dann wieder zuhause an die Wand, um sich perfekt in die umgebenden Farben einzufügen!

Autor: Christian Frank, www.christianfrank.photography

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