Minimalismus in der Fotografie - weniger zeigen und doch mehr sehen

Was macht Minimalismus so attraktiv? Was nimmt unsere Aufmerksamkeit für so viele Sekunden des Betrachtens in Besitz, obwohl es doch so wenig zu sehen gibt? Und wie können wir uns selbst minimalistisch in unseren Fotos ausdrücken? Diese drei Fragen - und noch einiges mehr - wollen wir für euch anhand von Beispielfotos und Erläuterungen klären.

Minimalismus als Frage des Stils

Minimalismus ist einerseits bekannt aus der Kunstgeschichte. In den frühen 1960er Jahren etablierte sich Minimalismus in den USA als Gegenbewegung zur gestischen Malerei, die, wenn man beispielsweise an das damals beliebte Action Painting denkt, zur Zeit der Flowerpower-Bewegung wirklich bewegt war. Zum anderen ist Minimalismus ab etwa der 1920er Jahre in der Architekturmoderne zu finden. So ist das Bauhaus in Deutschland hier Vorreiter mit Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe. Er war es auch, der die Formulierung „Weniger ist mehr.“ aufgegriffen hat, um damit seine Vorstellung von Architektur zu postulieren.

Diese prägnante Phrase beschreibt gut den Stil, der angestrebt wird. Es ist der Wunsch nach Übersichtlichkeit und Klarheit, nach Reduktion auf das Wesentliche.

Dieses Streben in den Künsten findet sich heutzutage auch in der Art und Weise wieder, wie wir leben. So haben Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus mit ihrem Buch „Minimalism: Live a Meaningful Life“ und ihrer Vortragsreise in den USA eine Bewegung initiiert, die ein Weniger an Materiellem und ein Mehr an Leben empfiehlt.

Der Reiz der Reduktion

Was macht nun diesen Reiz aus am Minimalismus in der Fotografie? Es ist vor allem diese Leere des Bildes, dieser Raum, der unsere eigenen Gedanken und Gefühle darin atmen lässt. Der Fotograf zeigt weniger, und dies erlaubt uns als Betrachter mehr zu sehen. Es ist Platz da für unsere eigene Interpretation des Motivs. Unsere Fantasie bekommt einen gestalterischen Impuls, den wir in der Freiheit des Minimalismus weiter ausformen können. Der Fotograf gibt sozusagen ein Stichwort. Und wir schreiben die Geschichte in uns fort.


stiller see

Kriterien für ein minimalistisches Foto

Der Minimalismus in der Fotografie ist an kein Sujet gebunden. Jedes fotografische Thema kann in minimalistischer Manier abgebildet werden. Diesen Fotos gemeinsam ist die Konzentration auf das Wesentliche, und damit auf das Weglassen des Unwesentlichen. Sicherlich wird dies in Schwarz-weiß-Fotografien eher wahrgenommen, da ja die vielfältigen Farbinformationen nicht unser Auge ablenken. Doch auch bei Farbfotos gelten diese Kriterien der Reduktion. Es ist oft eine reduzierte bildhafte Aussage, die schnell zu erfassen ist. Der Blick wird angezogen von den sparsam gesetzten Bildakzenten. Der Raum um die Bildanteile herum führt unseren Blick und hebt das Motiv somit hervor. Oder unser Auge folgt den Bildakzenten, die zwar nicht selten in dem Bild vorkommen, aber einer leicht zu erfassenden Struktur und Ordnung folgen. Wir Menschen können Muster sehr gut und schnell erfassen, da mit zunehmender geistiger Entwicklung unser Hirn analytisch wahrzunehmen lernt. Dies ist auch der Grund dafür, warum Kinder Wimmelbücher so sehr lieben, wir Erwachsene aber viel mehr Geschmack am Minimalismus finden.


ast mit schnee

Minimalismus mit Naturformen bei wenigen Grauwerten


minimalismus

Minimalismus in abgeschwächtem Rot-Blau-Kontrast und deutlich ausgerichtetem geometrischem Muster


minimalismus

Minimalismus in überlagertem Muster mit einer einfach zu erfassenden Grundform

Minimalismus in der Fotografie ist dann gelungen, wenn diese Reduktion und Konzentration uns in ihren Bann zieht und mit wenigen Elementen Interesse und Emotionen bei Betrachtern wecken kann.

Minimalismus in der Architekturfotografie

Besonders häufig findet man minimalistische Fotos in der Architekturfotografie. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn die Architektur ist durch konstruktive Notwendigkeiten und stilistischem Gestaltungswillen in ihrem Ausdruck selbst häufig dem Minimalismus verpflichtet. Doch auch in dieser minimalistischen Abbildung der Innenansicht eines New Yorker Hochhauses spielt Struktur und Dekoration eine gewisse Rolle. So zeigen die Betonflächen an der Wand eine strenge orthogonale Geometrie, die mit dem diagonalen Lichteinfall durch die große Fensterfläche kokettiert. Strenge Puristen mögen nun bemängeln, dass die Streben der Fensteraufteilung nicht mit den Fugen der Betonplatten an der Wand fluchten. Habt ihr es bemerkt?


moderner raum

Deutlich opulenter und dramatischer ist hier ein weiteres Architekturmotiv, nämlich der Eingang zum Louvre in Paris:


louvre pyramide

Die verglaste Pyramide reflektiert hier die aufkommenden Gewitterwolken. Obwohl das Motiv in seinen verschiedenen Formen vielgestaltig ist, können wir es dem Minimalismus zuordnen. Das Bauwerk ist in seiner Pyramiden-Geometrie exakt zu erfassen. Und die Glasfassade selbst besteht aus immer gleichen und sich streng geometrisch wiederholenden rautenförmigen Einzelelementen, die ein eindeutiges Muster bilden. Sozusagen zeigen sich hier im Bild die Prägnanz der Wolken im Spiel mit der Prägnanz der Architektur.

Minimalismus in der Architekturfotografie wird oftmals unterstützt durch die geometrische und puristische Formensprache der Baukörper selbst. Die Führung des Betrachterblicks durch die bewusst gewählte Perspektive des Fotografen ist oft entscheidend für die Bildwirkung insgesamt.

Minimalismus gibt es auch in Farbe

Eines der wesentlichen Kennzeichen des Minimalismus ist sicherlich die Reduktion der Bildfülle und die Betonung weniger Kernaussagen in der Gesamtkomposition. Farblose Bilder haben wir oben bereits kennengelernt, entweder als reine Schwarz-weiß-Fotos oder als deren Nahverwandten in monochromer Färbung.

Doch auch die Farbe hat in diesem Sujet ihre Berechtigung. Wie hier gezeigt kann ein gleichmäßiger Farbhintergrund viel zur Atmosphäre des Gesamtbildes beitragen:


alter wecker

Bei dem nächsten Foto wurde sorgsam auf die farbliche Übereinstimmung vom Motiv - den Batterien - und dem Hintergrund geachtet. Somit hat das Bild eine aktive und kraftvolle Anmutung, die gut zu Batterien als den Träger von Energie passt. Gleichzeitig wird aber durch die Minimierung der Farben, hier hauptsächlich auf Gelb und Schwarz, die Bildaussage pointiert:


gelbe batterien

Monochrome Farbgebung als Mittel der Reduktion

Zwischen Farbfotos und Schwarz-weiß-Bildern liegt der Bereich der monochromen, der einfarbigen Abbildung. Hier wird der Ausdruck durch die Helligkeitswerte einer bestimmten Farbe erzeugt. Doch es liegt in unserer ästhetischen Absicht diese Farbe zu bestimmen.


gitter morgenlicht

So lassen die warmen Farben im oberen Bild die Assoziation von Abendsonne aufkommen, da dies unseren Sehgewohnheiten entspricht. Anders verhält es sich, wenn dieses Bild in einer kühlen Farbe dargestellt wird. Hier assoziieren wir eher einen kühlen, vielleicht regnerischen und frühmorgendlichen Sonnenaufgang.


gitter grau

Versteht man unter Minimalismus das Weglassen von Bildanteilen, so ist das Weglassen der Farbe eine logische Konsequenz davon und führt zu Schwarz-weiß-Bildern. Will man in seiner Bildkomposition allerdings mit einfachen Mitteln eine bestimmte Emotion beim Betrachter erzeugen ist Farbe dafür ein äußerst effektives Gestaltungsmittel.

Wir wünschen euch nun viel Freude in der Welt des Minimalismus, sowohl beim Betrachten von Bildern als auch beim Fotografieren selbst. Und natürlich wirken solch reduzierte Fotos als großformatige Fotoleinwand über der Couch besonders beeindruckend und großartig!


Autor: Christian Frank, www.christianfrank.photography

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