Wie Farben Bilder prägen. Die farbpsychologische Wirkung deiner Fotografien.


„Die schlechtesten Farbfotos sind die bunten.“ So schrieb schon in den 50er Jahren der deutsche Schriftsteller Alexander Spoerl über Farbe in der Fotografie. Dabei haben wir doch gar keine Wahl. Unser Auge ist mit farbigem Sehvermögen ausgestattet. Also machen wir das Beste draus, z.B. Farbfotografien, die ein Mehr an Aussage haben, als nur bunte Bilder zu sein. Farbe ist ein emotionales Thema. Und eine eigene Wissenschaft. Im folgenden Artikel zeigen wir euch vor allem die emotionale und gestalterische Seite der Farbe in der Fotografie. Die Vorspeise dazu ist ein wenig Farbtheorie, die uns helfen wird, bewusster zu gestalten.

Unsere evolutionäre und kulturelle Farbgeschichte

Wir halten Farbe für so etwas Selbstverständliches in unserem Leben, und doch sind nachts alle Katzen grau. Mann und Frau sehen Farben etwas anders, da die Fähigkeit des Farbsehens an einem Gen hängen soll, das in dem bei Männern weniger häufig vorkommenden X-Chromosom enthalten ist.

Aber auch kulturell hat das Farbempfinden einige Besonderheiten zu bieten. So sind die unbunten Farben Weiß und Schwarz nicht nur die beiden Endpunkte der Helligkeitsskala. Auch in ihrer Bedeutung werden sie global diametral wahrgenommen. In Europa wird Schwarz mit Tod und Trauer assoziiert. In China dagegen mit Macht und Geld. Umgekehrt gilt in Europa Weiß als die Farbe der Unschuld, Reinheit und Tugend. In China dagegen steht Weiß für Trauer und Tod. Und geschlechterspezifisch zeigt uns beispielsweise die Farbe Rosa deutliche Unterschiede. Rosa steht bei Frauen bei den Lieblingsfarben an 4. Stelle. Bei Männern hingegen erst an 8. Stelle.

Etwas Farbtheorie, hilfreich für das Farbverständnis und die Bildbearbeitung

Mit Farbe und deren praktischen und theoretischer Grundlage haben sich Künstler, Wissenschaftler, Drucktechniker und Gestalter beschäftigt. Neben der Farbenlehre von Goethe haben beispielsweise Harald Küppers und Johannes Itten anschauliche Farbtheorien erarbeitet. Harald Küppers war lange Zeit Inhaber eines Reproduktionsunternehmens und hat dabei die Drucktechnik um zahlreiche Patente bereichert.

Der hier unten dargestellte Farbkreis stellt das Farbschema von Johannes Itten, einem Maler und Meister am Bauhaus Weimar, dar.

Wir können dabei in dessen Mittelpunkt die drei Primärfarben sehen: Rot, Gelb, Blau. Diese miteinander ausgemischt, führen zu Orange, Grün und Violett. Weitere Ausmischungen führen zum Farbkreis, der hier mit 12 Farbfeldern dargestellt ist.

Nun haben wir die Farben im Überblick vor uns und können diese leichter bestimmten Themen zuordnen. Beginnen wir mit den warmen und den kalten Farben. Eine gedankliche Trennlinie, die diagonal von Rot nach Grün läuft, teil hier die Farben auf, wobei die obere Hälfte des Farbkreises den warmen Farben entspricht und umgekehrt der untere Teil den kalten Farben zugeordnet wird. Ein weiterer großer Vorteil des Farbkreises ist, dass wir hier die in der Farbwahrnehmung so wichtigen Komplementärkontraste gut erkennen können. So liegt einem Rot ein Grün gegenüber und bildet den größtmöglichen Komplementärkontrast, genauso wie dem Violett das Gelb gegenüber liegt oder dem Rotorange das Blaugrün komplementär gegenüber liegt. Auch den Hell-Dunkel-Unterschied können wir im Vergleich der einzelnen Farben zueinander gut wahrnehmen.


Vielleicht wundert ihr euch warum oftmals andere Farben als Grundfarben genannt werden. So ist beispielsweise der RGB-Farbraum heute in jedem Monitor, Fernseher und Smartphone zuhause und generiert alle Farben auf der Basis von Rot, Grün und Blau. Dies liegt daran, dass es verschiedene Farbsysteme gibt. Einige sind künstlerisch inspiriert. Andere wiederum bilden die technische Welt der Farben ab. So ist es auch bei RGB und CMYK.

RGB, also Rot, Grün, Blau ist die sogenannte additive Farbmischung. Bei maximaler Leuchtkraft aller Farben entsteht Weiß. Bei minimaler Leuchtkraft Schwarz.

CMYK steht für Cyan, Magenta, Gelb (Y=Yellow) und Schwarz (K=Kontrast). Man spricht hier vom subtraktiven Farbsystem. Hier entsteht durch die Mischung der vier Farben ein Farbumfang, mit dem die meisten Offset-Druckmaschinen arbeiten.

Darum ist es manchmal nötig Fotos, die auf einem Monitor zufriedenstellend im RGB-Modus dargestellt werden, für einen professionellen Ausdruck in CMYK umzuwandeln.

Hier ist also der Anwendungszweck entscheidend für die Wahl des Farbsystems.

Umwandlungsdefizite treten dabei auf. Doch wir können uns damit trösten, dass beide Farbsysteme nicht an die Fähigkeiten des Farbsehens des menschlichen Auges herankommen.


Viel mehr Farbpsychologie, hilfreich für die Bildgestaltung


Farben sind die Wörter eines lichtbildnerischen Gedichts. Dabei spielen die Sensibilität des Fotografen und die Empfänglichkeit des Betrachters jeweils ihre Rolle. Sobald wir uns an psychologische Betrachtungen heranwagen, fängt das Allgemeine und das Individuelle einen gemeinsamen Tanz an, bei dem Vertrautes und Kreatives sich Schritt für Schritt entwickeln. Je größer unser Abstand zum jeweiligen Individuum ist, desto leichter können wir allgemeine psychologische Farbwirkungen benennen.

Seht selbst, wo ihr euch besonders gut wiederfindet:

Farbwirkung durch Farbkontraste

Ein Foto wird in Bezug auf seine Farbigkeit für uns interessanter, wenn es eine ästhetisch gestaltete oder atmosphärische Wirkung auf uns Betrachter ausübt. Für unsere Bildkomposition ist daher die bewusste Farbgestaltung eine äußerst einflussreiche Art dem Foto eine gewünschte Ausrichtung zu geben.

Besonders eignen sich hierfür die Komplementärkontraste. Ein solcher Kontrast entsteht durch die Verwendung zweier Farben, die sich im Farbkreis gegenüber liegen. Dies sind beispielsweise Rot und Grün, Blau und Orange, usw.

Hierbei erhält unser Auge, bzw. das dahinterliegende Gehirn, zwei maximal starke Farbinformationen, die sich allerdings in ihrer Mischung zu einem ausgewogenen Verhältnis verbinden. So erhalten wir also einen doppelten physiologischen Reiz, der in sich zu einer neuronal gut zu verarbeitender Harmonie verschmilzt.

Rot-Grün-Kontrast

Dieser Kontrast ist ein sehr starker Kontrast. Die beteiligten Farben haben in der Farbpsychologie jeweils starke, essentielle Bedeutungen. Dieser Kontrast kann bis zum Flimmerkontrast gehen, bei dem die Farben zu vibrieren beginnen.


Gelb-Violett-Kontrast

Hier wird deutlich wie lebendig und vielgestaltig das Foto wirkt. Je mehr Kontraste wir anwenden, desto lauter und quirliger wirkt das Bild. Umgekehrt gilt dies auch. Wenn wir eine ruhigere Bild- und Farbkomposition wünschen, dann heißt es Anzahl und Leuchtkraft der Farben zu reduzieren.


Blau-Orange-Kontrast

Hierbei treffen Ruhe und Dynamik aufeinander. Zwei Pole unseres Daseins fächern einen lebendigen Reigen der Assoziationen auf. Das Meer, der Himmel, Sand und Sonne...


Warm-Kalt-Kontrast

Farben lassen sich nicht nur nach ihrem Farbwert einteilen, sondern auch in warme und kalte Farben. Dabei wirken kühle Farben eher zurückhaltend. Die warmen Farben ziehen den Blick eher auf sich und dominieren das Bild. Hier seht ihr eine klassische Anwendung für einen atmosphärisch angenehmen Warm-Kalt-Kontrast, bei dem über die Quantität der Farben die Dominanz der warmen Farben ausgeglichen wurde:


Monochrome Farbe ist nicht gleich monoton

Jenseits der Farbkontraste warten weitere Farbgestaltungsmöglichkeiten auf uns. So sehen wir hier nochmals einen Vertreter des Warm-Kalt-Kontrasts, der um einen Hell-Dunkel-Kontrast ergänzt wurde. Die Silhouette der Gräser konkurriert dabei ein wenig mit dem Sonnenuntergang im Warm-Kalt-Verlauf. Danach seht ihr eine sehr ähnliche Aufnahme, bei der mittels Bildbearbeitung ein monochromes Orange im Hintergrund den Farbkontrast zu der schwarzen Silhouette der Gräser bildet. Findet ihr das zweite Bild auch noch kraftvoller?



Bildkomposition und Bildaussage

Nun haben wir einen Ausflug in die bewusste Betrachtung der Farben gemacht und dürfen unser Wissen in zweierlei Hinsicht anwenden. Zum einen sind wir Fotografen Beobachter der Welt und nehmen mit unserer Kamera auf, was wir mit unseren Augen wahrnehmen.

Und wir sind Lichtbildner, die Fotografien von Grund auf konzeptionell gestalten können. Für beide Arten der Herangehensweise ist der bewusste Umgang mit Farbe essentiell!

Testet eure Wahrnehmung und euer Können aus. Und habt Vergnügen an den schönen Bildern, die dann wieder eure Wände zieren können und euer Herz erfreuen!

Viel Spaß daran!
Autor: Christian Frank, www.christianfrank.photography

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